Ökumene

Ökumenisches Sommerfest zwischen den Kirchen am Sonntag, den 13. Juli 2014

11.30 Uhr Ökumenischer Gottesdienst und Kindergottesdienst

Es wirken mit:

KiTa, Posaunenchor, ökumenischer Chor Lutherkirche-St.Paul und Lutherband

Bei gutem Wetter auf dem Platz zwischen den Kirchen, bei Regen - was wir nicht hoffen - in der Lutherkirche 

Danach Mittagessen, Kaffee und Kuchen.



Programm für Kinder und Erwachsene, u.a. mit:

Hüpfburg, Tischtennis, Dartspiel

Künstler- und Bücherstand

Eine-Welt-Laden und Kirchenbank

14 Uhr Auftritt des deutschen Vizemeisters der Zauberkunst

Für Kuchenspenden sind wir dankbar.

Der Erlöst ist für das Kinderhospiz „Sterntaler“ bestimmt.

Ökumene

Sehr erfreulich hat sich die ökumenische Gemeinschaft zwischen St. Paul und der Lutherkirche entwickelt.
2007 wurde zwischen den damaligen Pfarrern Roth und Horbach eine ökumenische Vereinbarung unterzeichnet.
Regelmäßig trifft sich der ökumenische Arbeitskreis.
Zum Gottesdienst an Allerheiligen und zum Buß- und Bettag lädt man sich gegenseitig ein.
Das "Fest zwischen den Kirchen" ist fester Bestandteil des Jahresprogramms.
Die beiden Chöre haben sich zum "Ökumenischen Chor Lutherkirche-St. Paul zusammengeschlossen.

Predigt von Pfarrer Henninger beim Fest zwischen den Kirchen am 22. September:

Epheser 4, 1-6

Predigt beim ökumenischer Gottesdienst zum Fest zwischen den Kirchen

22. September 2013

Liebe Gemeinde,

„Wir leben Ökumene“ - ein mutiger Titel für das heutige Fest! Aber was heißt das eigentlich – Ökumene leben?

Auf Ihrem Gdblatt habe ich Ihnen einige Karikaturen von Tiki Küstenmacher zum Stand der „Ökumene“ abgedruckt. Da sehen Sie die Vorurteile evangelischerseits – die falsche Vorstellung von Trinität; und Hans Küng, der bekannte katholische Tübinger Professor ist – das muss ich richtig stellen – nicht verbrannt worden.

Sie sehen die Sehnsüchte von Protestanten (Ich möchte auch mal zu jemand aufblicken) wie auch die Ablehnung (Mittelalter – nein danke).

Und natürlich die spannende Streitfrage, ob Ökumene besser in den Gemeinden oder bei den Kirchenoberen gelingt – eine Frage, die bei Tiki Küstenmacher eindeutig beantwortet ist.

Zur Erinnerung: Nach Jahrhunderten der gegenseitigen Abgrenzung hat man erst zu Beginn des 20.Jh. angefangen, wieder aufeinander zuzugehen. Den Anfang bildete die Weltmissionskonferenz von Edinburgh im Jahr 1910. Seit 1948 gibt es den Ökumenischen Rat der Kirchen, dem die Protestantischen und Orthodoxen Kirchen angehören. Es gibt in Deutschland die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, die die katholische Kirche ebenso einschließt wie viele Freikirchen. Als die Pfälzische Landeskirche 1957 eine Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft mit den englischen Kongregationalisten einging, wurde das noch misstrauisch von der EKD beäugt - diese Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft wurde jedoch ein Vorbereiter der Leuenberger Konkordie von 1973. Man muss sich das vorstellen. Es ist erst 40 Jahre her, dass Reformierte und Lutheraner – beides Protestanten - gegenseitig zum Abendmahl einluden.

Dieser kurze Überblick zeigt: Es hat sich viel getan in Sachen Ökumene, aber es bleibt auch noch viel zu tun: Da ist die Frage gemeinsamer Gottesdienste am Sonntagmorgen – wenn man nicht, wie wir das heute tun, die Chance nutzen kann, dass turnusgemäß heute keine Messe in St. Paul stattfindet, so dass wir einen gemeinsamen Gottesdienst feiern können. Oder die Frage: Wie ist das mit dem Abendmahl, wenn ein Partner katholisch, der andere aber evangelisch ist. Und so ein Satz wie „Die evangelischen Kirchen sind keine Kirchen im katholischen Sinn“ verletzt, auch wenn er in sich völlig logisch ist, denn wenn die evang. Kirche eine Kirche im katholischen Sinn wäre, dann wäre sie eben nicht ev., sondern kath.

Wie schön wäre es, wenn die Christen mit einer Stimme sprächen! Dann wäre ein großes Glaubwürdigkeitsdefizit erledigt, die fehlende Einheit.

Schauen wir, ob Paulus uns in Sachen Ökumene ein wenig weiter helfen kann.

„Ertragt einer den anderen in Liebe“. Hoppla, wenn ich jemand ertragen muss, dann muss er irgendwie anders sein, anders glauben, einen anderen Lebensstil führen, andere Lieder singen. Paulus scheint also Unterschiede unter Christen für normal zu halten.

„Bemüht euch darum, die Einheit zu bewahren, die der Geist Gottes euch geschenkt hat“. Was meint Pls mit der „Einheit, die der Geist Gottes schenkt“? Meint er damit, dass die Einheit nicht unbedingt in der Form bestehen muss? Meint er damit, dass es unterschiedliche Kirchenordnungen geben kann, eine mit dem Papst an der Spitze und eine andere, die sich auf das Priestertum aller Gläubigen gründet? Meint er damit, dass sich die katholische Communion vom ev. Abendmahl durchaus unterscheiden darf? Das waren z.Zt. des Pls noch keine relevanten Fragen, aber wir denken ja weiter!

„Ihr alle seid ein Leib“, fährt Pls fort. Das erinnert an die berühmte Stelle im 1. Kor, wo Pls die Kirche mit einem menschlichen Körper vergleicht: Wie ein menschlicher Körper nicht nur aus dem Mund bestehen kann, sondern Augen, Ohren, Nase, Hände und Füße, Magen und Darm braucht, um leben zu können, so braucht auch die Kirche verschiedene Gaben und Aufgaben, verschiedene Strukturen und Organisationsformen. Aber diese bunte Vielfalt wird zusammengehalten und geprägt vom Kopf, von J.C. her. Wenn uns das bewusst ist, dass JC der Kopf der Kirche ist, und eben nicht wir mit unseren menschlichen Gesetzen und Verordnungen, Ideen und Strukturen, dann ergibt sich daraus eine andere Einstellung, ein anderer Geist im Umgang miteinander.

Ich persönlich glaube, dass dieser Geist an der Basis stärker ausgeprägt ist als bei den Kirchenoberen. Über die Gründe will ich jetzt nicht spekulieren, sie sind vielfältig.

Ich stelle einfach fest: Es gibt eine ökumenische Vereinbarung zwischen St. Paul und der Lutherkirche. Seit einem Jahr gibt es einen ökumenischen Chor. Noch viel länger gibt es einen ökumenischen AK. Treffen zwischen Pfarrgemeinderat und Presbyterium. Die gegenseitige Einladung am 1.November und am Buß- und Bettag. Wo man sich trifft, entsteht schnell ein herzliches Miteinander. In diesem Miteinander zeigt sich dieser Geist Gottes, der Einheit schafft.

Ist Ihnen schon einmal die Inschrift auf dem Taufstein in der Lutherkirche aufgefallen? Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe. Das ist ein Zitat aus unserem Predigttext. Da haben wir, seit 1964, die sichtbare Erinnerung an Ökumene auf unserem Taufstein. Die Taufe ist zwischen Katholiken und Protestanten nicht umstritten. Man wird nicht noch einmal getauft, wenn man die Konfession wechselt. Durch die Taufe sind wir alle verbunden mit dem gleichen Gott, der durch alle und in allen wirkt. Mit der Taufe haben wir einen gemeinsamen Ausgangspunkt für unser Christsein.

Nachdem wir Paulus in unser Gespräch einbezogen haben, komme ich noch einmal zurück zur Ausgangsfrage: Was bedeutet das denn „Wir leben Ökumene“?

Ich habe bei Paulus gelernt, dass bunte Verschiedenheit zur Kirche dazugehört: Körper mit Auge, Ohr, Hand usw. Gott hat eine unglaublich bunte Welt geschaffen. Jesus hatte eine sehr bunte Mischung von Jüngern – vom geldgierigen Judas über den vorlauten Petrus bis zum meditativen Johannes. Es gibt vier Evangelien und nicht nur eines. Wir reden von dem dreieinigen Gott – ein Gott, und doch Vater, Sohn und Hl. Geist. Immer wieder die Spannung zwischen dem einen und dem Vielen. Wenn wir alle dasselbe glauben würden und alle zur gleichen Kirche gingen, müsste das Motto wohl lauten: Wir leben die Einheit. So ist es aber nicht, und so soll es wohl auch nicht sein.

Doch in dieser bunten Verschiedenheit gibt es doch ein paar Dinge, die wir teilen:

„Wir leben Ökumene“ bedeutet:

1. eine gemeinsame Blickrichtung: wir schauen auf einen gemeinsamen Herrn, und eben nicht auf das, was trennt, was noch nicht möglich ist, was schmerzt.

2. Wir lernen im Blick auf den gemeinsamen Herrn, die bunte Vielfalt neu zu schätzen. Die für uns oft anstößige Verschiedenheit ist kein christlicher Betriebsunfall. Vielfalt ist nicht etwas, was überwunden werden muss, sondern von Gott geschaffen wurde, um unser Leben zu bereichern. Menschen sind verschieden, und darum dürfen die Kirchen auch verschiedene Antworten geben – in der großen Freiheit der Kinder Gottes.

3. Bunte Vielfalt darf nicht zu Abgrenzung und Ausgrenzung führen. Da haben die Kirchenleitungen noch eine große Aufgabe vor sich. Die dogmatischen und kirchenrechtlichen Unterschiede sind da, aber sie dürfen nicht mehr trennen. „Versöhnte Verschiedenheit“ lautete ein Schlagwort der 80ziger Jahre. Papst Franziskus sagt in einem kürzlich veröffentlichten Interview: „Wir müssen vereint in den Unterschieden vorangehen.“

4. Der eine Gott wirkt durch alle und in allen. Er wirkt durch den Papst genauso wie durch jeden einzelnen Christen, durch jeden von Euch, die ihr hier sitzt. Er wirkt durch katholische und evangelische Kirchenstrukturen. Gott nutzt diese Vielfalt, um die Menschen zu erreichen, die er in einer unglaublichen Vielfalt erschaffen hat.

5. Wir leben Ökumene bedeutet 5.: Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass dann, wenn das Reich Gottes kommt, alle Christen eins sein werden vor dem einen Gott.

Amen.